Interview mit Simon Paccard, Fünfter bei der UTMB-CCC: „Weiterarbeiten, um näher an die Spitze zu kommen“
Der 26-jährige Simon Paccard aus Annecy belegte bei der UTMB-CCC 2026 in 10:50:59 Stunden als bester Franzose den fünften Platz und ließ damit die anderen französischen Favoriten Thomas Cardin und Benjamin Roubiol hinter sich. Der Salomon-Athlet blickt auf ein starkes Rennen zurück.
Simon, vor der CCC waren vor allem Thomas Cardin und Benjamin Roubiol als französische Favoriten im Gespräch, dich hatte man dabei ein wenig vergessen …
Nein, ihr habt mich nicht vergessen. Es ist völlig normal, dass Benjamin und Thomas im Mittelpunkt stehen, denn sie gehören zur Weltspitze. Niemand konnte wissen, dass es für sie nicht gut laufen würde. Für mich war die CCC eines der Saisonziele, auch wenn ich zu Hause in Annecy bei der 60-Kilometer-MaXi-Race ein starkes Rennen laufen wollte. Das hat dort übrigens gut funktioniert. Mit meinem Rennen hier bin ich sehr zufrieden. Es freut mich wirklich, dass ich auch über 100 Kilometer ein starkes Rennen zeigen konnte. Genau das wollte ich erreichen.
Hast du im Rennverlauf nach vorn geschaut und an das Podium geglaubt?
Nein, ich habe mich eher auf mich selbst konzentriert. Mein ursprünglicher Plan führte bis Champex-Lac. Danach war für mich vieles Neuland, weil ich diese Distanz noch nicht wirklich beherrsche. Ab Champex habe ich versucht, in den Anstiegen vorne mitzugehen. Auf den Balcons und bergab bis La Fouly war ich allerdings etwas zu schnell unterwegs. Die drei Erstplatzierten waren in diesem Abschnitt noch schneller als ich und für mich unerreichbar. Am Ende habe ich eher nach hinten geschaut, weil ich wusste, dass die fünf Läufer hinter mir innerhalb von fünf Minuten lagen. Da musste ich mental stark bleiben und mein eigenes Rennen durchziehen. Aber letztlich lief alles ziemlich gut, und ich bin wirklich sehr zufrieden.
Wie hat sich die gestrichene Passage hinauf nach La Flégère auf deine Taktik ausgewirkt?
Für mich war das eher ein Vorteil, weil ich mich als Puncher sehe. Ich mag Strecken, die etwas spielerischer, explosiver und anspruchsvoller sind. Das neue Finale kam mir deshalb meiner Meinung nach entgegen. Nach dem Anstieg zum Béchard hatte ich noch einiges im Tank. Ich bekam sogar einen zweiten Schub und fühlte mich richtig stark. Vielleicht hätte mich der Anstieg nach La Flégère also auch nicht aus dem Konzept gebracht …
War eine Top-5-Platzierung insgeheim ein Ziel für dich?
Auf der klassischen Strecke wollte ich ungefähr 10:30 Stunden laufen und damit eine Top-10-Platzierung anpeilen. Fünfter zu werden, ist unglaublich. Das Podium war für mich außer Reichweite. Die Läufer vorne waren noch zu stark, aber wir werden weiterarbeiten und versuchen, näher an die Spitze heranzukommen.
Die CCC ist für viele der nächste Schritt auf dem Weg zum längeren Format. Gilt das auch für dich?
Ich möchte die Pferde nicht von hinten aufzäumen. Meiner Meinung nach wechseln viele zu schnell von 100 auf 160 Kilometer. Das bedeutet immerhin doppelt so viele Stunden Belastung. Den Übergang zum UTMB werde ich Schritt für Schritt angehen, vielleicht zunächst über Strecken um 120 Kilometer. Über kürzere Distanzen bis 85 Kilometer bin ich noch immer sehr leistungsfähig. Das 100-Meilen-Format reizt mich im Moment noch nicht. Ich möchte an meiner Geschwindigkeit arbeiten und Erfahrung über 100 Kilometer sammeln. Ein 100-Meilen-Rennen bleibt aber langfristig ein Ziel. Ich habe durch den UTMB zum Trail gefunden. Dieses Rennen lässt die Menschen träumen und ist nach wie vor ein Mythos. In etwa drei Jahren, denke ich, werde ich mich diesem Rennen zuwenden. Im Moment ist es aber noch kein konkretes Projekt.
Bei dieser CCC wurden an die drei Erstplatzierten Golden Tickets für die Western States vergeben. Sollten sich darunter Läufer zurückziehen, könntest du eines dieser Tickets bekommen. Was würdest du damit machen?
Das ist eine gute Frage. Ich werde heute nicht darüber nachdenken. Ich weiß, dass Hans Troyer dieses Ticket annehmen wird. Bei den beiden anderen Athleten weiß ich es nicht. Für mich ist es wahrscheinlich noch etwas zu früh, einen so schnellen 100-Meilen-Lauf in Angriff zu nehmen. Auch die Umweltaspekte muss man berücksichtigen. Ich habe immer weniger Lust zu fliegen.
Du sprichst die Umwelt an. Hast du die Diskussion über die Auswirkungen der UTMB-Woche verfolgt, deren Fortbestand künftig möglicherweise infrage gestellt wird? Wie stehst du als Athlet dazu?
Ich finde es gut, die richtigen Fragen zu stellen und Dinge infrage zu stellen. Das bedeutet aber nicht, dass man alles absagen muss. Im Vergleich zu anderen Sportarten ist Trailrunning nach wie vor eine umweltverträgliche Sportart. Wir Athleten sind bereit, gemeinsam mit dem UTMB an diesem Thema zu arbeiten und die Auswirkungen weiter zu reduzieren. Das Event ist zweifellos so groß geworden, dass es schwer zu kontrollieren ist. Wir müssen gemeinsam mit allen Beteiligten die richtigen Maßnahmen finden, insbesondere im Austausch mit den Anwohnern, um ihre Erwartungen zu verstehen. Es wäre schade, auf ein solches Fest zu verzichten.