Blandine L’Hirondel will diesen UTMB unbedingt bestreiten und ein rundes Rennen zeigen

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Von Luc Beurnaux

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

Blandine L’Hirondel will diesen UTMB unbedingt bestreiten und ein rundes Rennen zeigen
© Paul Brechu/ UTMB

Blandine L’Hirondel (KIPRUN) wurde beim UTMB 2023 Dritte und belegte 2024 den fünften Platz. 2026 kehrt sie zum großen Rennen des UTMB Mont-Blanc zurück, doch eine Endofibrose bremst die Französin, sobald die Laufintensität steigt. Die Sportmedizinerin und Gynäkologin, Siegerin der Diagonale des Fous auf La Réunion 2025, stellt sich der Herausforderung. Bei dieser Ausgabe geht es ihr um mehr als Sieg, Platzierung oder Zeit.

Blandine, mit welcher Einstellung gehen Sie an diesen UTMB 2026 heran?

Mental geht es mir sehr gut, ich freue mich riesig, hier zu sein. Körperlich bin ich allerdings nicht bei 100 Prozent, weil sich eine kleinere Erkrankung entwickelt hat, die seit einigen Monaten Beschwerden verursacht. Dagegen hilft nur eine Operation, die ich aber auf die Zeit nach dem UTMB verschieben werde. Das könnte mir also möglicherweise einen kleinen Strich durch die Rechnung machen. Für mich kam trotzdem nicht infrage, den UTMB abzuschreiben. Ich bin zwar nicht bei 100 Prozent, habe aber andere Ziele, als auf das Podium, den Sieg, eine bestimmte Zeit oder Platzierung zu schielen. Mir liegt wirklich viel daran, diesen UTMB zu bestreiten und ein rundes Rennen zu zeigen. Ich möchte alles optimieren, was ich optimieren kann, und aus den Fehlern der vergangenen Jahre lernen. Wir werden sehen, was dabei herauskommt. Konkrete Ziele setze ich mir eigentlich nicht, außer dem Versuch, Spaß zu haben und mit meiner Renneinteilung zufrieden zu sein.

Sie sind also nicht bei 100 Prozent. Wo würden Sie Ihre aktuelle Form auf einer Skala einordnen?

Sagen wir es so: Sobald ich eine bestimmte Intensitäts- oder Tempobereiche überschreite und den Blutfluss etwas erhöhe, macht mir eine Erkrankung der Arterie zu schaffen, die das linke Bein versorgt. Steigt der arterielle Blutfluss etwas an, wird das Bein nicht mehr ausreichend durchblutet. Das nennt man Endofibrose. Wenn ich sage, dass ich nicht bei 100 Prozent bin, bedeutet das also, dass ich keine hohe Intensität laufen kann. Wobei Sie jetzt vermutlich sagen werden, dass es auf einem UTMB ohnehin kein gutes Zeichen wäre, wenn ich an der Schwelle loslaufe.

Wenn es mir gelingt, das gesamte Rennen über ein niedriges, aber konstantes Tempo und eine niedrige, konstante Intensität zu halten, kann das ein richtig guter UTMB werden.

Blandine L'Hirondel
Blandine L'HirondelDritte beim UTMB 2023

Wird sich das also auf Ihre Renneinteilung auswirken?

Absolut. Ich muss einfach diszipliniert genug sein. Ich gehe oft etwas zu schnell an, und manchmal lässt man sich vom Rennen mitreißen. Wenn ich mich auch nur eine halbe oder ganze Stunde dazu verleiten lasse, die Intensität zu erhöhen, und mein Bein schon früh nicht mehr richtig durchblutet wird, kann das muskulär Folgen haben. In diesen Momenten spüre ich, wie der Quadrizeps leidet, und nach dem Rennen habe ich dort Muskelkater und Krämpfe. Ich darf also nicht zu schnell werden. Wenn es mir aber gelingt, das gesamte Rennen über ein niedriges, konstantes Tempo und eine niedrige, konstante Intensität zu halten, kann das ebenfalls ein richtig guter UTMB werden. Genau das wünscht man sich bei einem Ultra oft: im Rennverlauf nicht nachzulassen oder zumindest so wenig wie möglich.

Trotzdem sind die Erwartungen an Sie bei dieser Ausgabe groß …

Natürlich sind die Erwartungen groß. Ich schaue schon ein wenig, was in den sozialen Netzwerken und Medien über mich geschrieben wird. Und ich bin ehrlich gesagt ziemlich überrascht, dass man mich weiterhin zu den Favoritinnen zählt und in den Prognosen weit vorne sieht. Ich nehme das wohlwollend auf. Es ist schön und schmeichelhaft zu sehen, dass die Leute mich vorne sehen wollen.

Trotzdem glaube ich, dass ich mich davon lösen kann. Ich weiß, was ich leisten kann, kenne meine Form und meine Ziele. Das nimmt mir den Druck: Ich werde mein Rennen laufen, und dann sehen wir, was passiert. Bei einem Ultra kann schließlich alles passieren. Auch die Größten können einen schlechten Moment erwischen oder stürzen. Das sieht man bei jedem Rennen, und genau das macht diesen Sport so spannend.  

Auch die Größten können einen schlechten Moment erwischen oder stürzen. Genau das macht diesen Sport so spannend.

Blandine L'Hirondel
Blandine L'HirondelDritte beim UTMB 2023

Bei diesem Sport sucht man auch bewusst die Belastungsgrenze. Wie erkennt man, wann es nicht mehr vernünftig ist?

Es gibt Beschwerden, die direkt zum Rennen gehören: Blasen, starke Energietiefs, Muskelschmerzen oder mentale Tiefpunkte, weil man irgendwann einfach genug hat. Das sind Schmerzen, die unmittelbar mit dem Wettkampf zusammenhängen. Daneben gibt es andere körperliche Schmerzen, bei denen man spürt, dass die eigene Gesundheit und der Körper auf dem Spiel stehen. Ich kann zwischen beidem unterscheiden. Wenn es nur um die typischen Rennbeschwerden geht, kann man den Körper aber sehr weit treiben. Bei meiner Erkrankung besteht kein Risiko, wenn ich zu stark an meine Grenzen gehe. Die Arterie ist lediglich verengt. Wenn ich zu hart pushe, bekomme ich einfach Schmerzen im Oberschenkel.

Das Starterfeld hat sich durch die Absage der Titelverteidigerin Ruth Croft etwas verändert. Was bedeutet das für Sie?

Das Rennen ist ziemlich offen, aber an der Spitze ist die Leistungsdichte enorm. Es sind viele starke Athletinnen dabei, darunter zahlreiche Amerikanerinnen. Deshalb glaube ich, dass es von Beginn an sehr schnell werden wird. Einige werden dieses Tempo wahrscheinlich halten können, denn manche sind unglaublich stark. Für andere könnte es schwierig werden. Im Rennverlauf werden dann vielleicht einige der älteren Läuferinnen von hinten aufholen und die Besten zur Rennmitte oder auf den letzten zwei Dritteln noch herausfordern …