Trail Test Camp: Unsere Testberichte zu Trailrunning-Schuhen der Kategorie Ultra
Beim ersten von Finishers und MY TRAILS veranstalteten „Trail Test Camp“ kamen vom 18. bis 21. Mai in Le Lioran im Cantal 20 Läuferinnen und Läufer zusammen, jeweils zehn Frauen und Männer aller Leistungsstufen. Ihre Aufgabe: die besten Trailrunning-Schuhe auf dem Markt unabhängig testen, vergleichen und bewerten. Hinter dem ambitionierten Konzept steckt eine einfache, aber radikale Idee: Bei der Produktbewertung sollen Gelände und Laufgefühl wieder im Mittelpunkt stehen. Aus den Rückmeldungen der vielfältigen Testgruppe entstanden Berichte zu jedem Schuh in den Kategorien Gravel-All Round, Ultra, All Mountain und Race. Den Auftakt macht die Kategorie Ultra.
► KATEGORIE: ULTRA
Schuhe für lange Stunden auf abwechslungsreichem, wenig technischem Terrain. Trailrunning-Schuhe der Kategorie Ultra setzen auf Komfort, Dämpfung und dauerhafte Stabilität, ohne bei zunehmender Ermüdung den Halt zu vernachlässigen. Sie sollen auch nach vielen Stunden einen flüssigen Lauf ermöglichen, wenn die Einteilung der Kräfte entscheidend wird.
TESTBERICHT – ON CLOUDULTRA PRO
➜ Die On Cloudultra Pro ist in der Kategorie Trail Ultra ein hybrides Modell für Tempo und einen flüssigen Abrollvorgang auf laufbaren, wenig anspruchsvollen Trails.
Schon beim Anprobieren fällt der hohe Einstiegskomfort auf. Die dünne Zunge schmiegt sich präzise an den Fuß, ohne Druckstellen zu erzeugen. Das Schnürsystem ist technisch gut gelöst: Gezahnte Schnürsenkel halten die anfängliche Spannung konstant und verhindern, dass sich die Schnürung während des Laufs lockert. Das strukturierte, besonders luftige Mesh sorgt für eine gute Temperaturregulierung. Einige Tester bemängeln allerdings ergonomische Details im Bereich des Knöchels oder des Fußgewölbes, wo je nach Fußform ein leichter Vorsprung spürbar sein kann. Der Innenraum ist nicht übermäßig eng geschnitten und lässt sich nach dem Schnüren präzise anpassen.
Auf dem Trail gehören Dynamik und geringes Gewicht zu den klaren Stärken des Modells. Der Schaumstoff liefert eine effektive Energierückgabe, unterstützt von einer Rocker-Geometrie, die den Fuß nach vorn führt. Auf laufbaren und schnellen Passagen spielt der Schuh seine Stärken daher besonders aus. Diese Agilität geht jedoch mit einer deutlich spürbaren Instabilität einher, die mehrere Tester als technische Schwäche ausmachen. Bei der Landung kippt der Schuh tendenziell nach außen, besonders auf unebenem Untergrund und bei schwereren Läufern. Für technisches Gelände schränkt das seinen Einsatzbereich ein.
Beim Schutz fällt das Urteil mit Blick auf die Ultra-Distanz gemischt aus. Ein Teil der Tester bewertet die Zehenkappe als robust, die Zwischensohle filtert den Untergrund jedoch nur mäßig. Der Bodenkontakt ist deutlich spürbar. Das verbessert kurzfristig die Präzision, kann den Fuß über viele Stunden aber stärker belasten. Auf trockenen, befestigten Trails ist der Grip funktional. Auf nassem oder losem Untergrund stößt das Profil dagegen an seine Grenzen und vermittelt weniger zuverlässig Halt. Die Haltbarkeit des Mesh überzeugt bei regelmäßigem Einsatz.
Der Schuh richtet sich an leichte bis mittelschwere Läufer, die ein dynamisches und atmungsaktives Modell für Distanzen vom kurzen Trail bis zum Ultra suchen. Auf laufbaren Wald- und Bergstrecken kommen seine Beschleunigung und der bequeme Einstieg besonders gut zur Geltung. Maximale Stabilität und Schutz für technische Hochgebirgs-Ultras gehören dagegen nicht zu seinen Stärken.
TESTBERICHT – KIPRUN KIPSUMMIT MAX
➜ Die KIPRUN Kipsummit Max ist in der Kategorie Trail Ultra auf lange Ausdauer ausgelegt und setzt auf großzügige Dämpfung sowie eine schützende Konstruktion für lange Distanzen.
Beim Hineinschlüpfen überzeugt der Schuh die meisten Tester sofort mit einem ausgeprägten Hausschuhgefühl. Viel Schaumstoff am Schaft und eine besonders dicke Zunge umschließen den Fuß weich und komfortabel. Der Innenraum ist großzügig bemessen, die sehr geräumige Zehenbox lässt den Zehen viel Bewegungsfreiheit. Im Stand wirkt der Schuh für einige Nutzer allerdings klobig und erinnert an ein „Paketboot“. Die Schnürung erfüllt ihre Aufgabe, auch wenn die Zunge von mehreren Testern als zu kurz empfunden wird.
In Bewegung sind Halt und Stabilität der wichtigste Schwachpunkt. Rund ein Drittel der Rückmeldungen berichtet von Instabilität und unzureichend präzisem Halt, vor allem an Ferse und Mittelfuß. Die weiche Konstruktion kann beim Abdruck oder auf unsicheren Tritten ein schwimmendes Gefühl erzeugen und den ermüdungshemmenden Halt auf besonders anspruchsvollem Terrain begrenzen. Bei Fersenlandungen bergab vermittelt die dicke Schaumstoffschicht allerdings ein beruhigendes Maß an Stabilität.
Abrollverhalten und Dynamik zählen für die Hälfte der Tester zu den Stärken. Der ausgeprägte Rocker erleichtert den Übergang nach vorn und unterstützt einen wirkungsvollen Abdruck, sodass die Bewegung auch nach vielen Stunden flüssig bleibt. Die sehr weiche Dämpfung filtert den Untergrund dank der hohen Sohlenkonstruktion umfassend und schützt den Körper vor wiederholten Stößen.
Grip und Schutz bestätigen die Allround-Ausrichtung des Schuhs. Die Außensohle bietet mit klassischen Stollen ordentlichen Halt auf unterschiedlichen Böden. Eine voluminöse, steife Zehenkappe schützt den Vorfuß zuverlässig vor Hindernissen. Das strukturierte, atmungsaktive Mesh ergänzt die robuste Konstruktion und bewahrt den Fuß auch über lange Zeit.
Der Schuh eignet sich für Läufer aller Gewichtsklassen, die lang anhaltenden Komfort und maximale Dämpfung suchen. Die KIPRUN Kipsummit Max ist für Ultra-Trails und sehr lange Läufe auf abwechslungsreichen Wegen eine überzeugende Wahl, wenn Körperschutz und Ermüdungsmanagement wichtiger sind als messerscharfe Präzision bei jedem Tritt.
TESTBERICHT – ASICS TRABUCO MAX 5
➜ Die ASICS Trabuco Max 5 ist in der Kategorie Trail Ultra speziell für lange Ausdauerleistungen entwickelt und setzt auf großzügige Dämpfung und einen ausgeprägten, mechanisch unterstützten Vortrieb.
Beim Anprobieren fallen der hohe Komfort und die gute Polsterung an Schaft und Kragen auf. Der Schnitt ist großzügig, die breite Zehenbox bietet dem Fuß auch über lange Zeit ausreichend Platz. Für schmale Füße geht das allerdings zulasten der Präzision. Dünne, griffige Schnürsenkel sorgen für Halt; ein elastisches Band an der Zunge dient zum Verstauen der Schnürung.
Auf dem Trail sorgt der stark ausgeprägte Rocker im Vorfuß für einen flüssigen Übergang und konstanten Vortrieb. Zusammen mit dem eher festen Schaumstoff ergibt sich eine wirkungsvolle Energierückgabe, auch wenn die Geometrie für Läufer mit reinem Vorfußaufsatz ein spezifisches Gefühl von Instabilität erzeugen kann.
Eine breite Plattform hält den Fuß sicher und verhindert auf unterschiedlichem Terrain unerwünschte Bewegungen. Die großzügige Dämpfung filtert Unebenheiten umfassend und schont Gelenke und Propriozeption über viele Stunden. Einige Tester empfinden die Zwischensohle anfangs jedoch als relativ steif.
Die mittelgroßen Stollen bieten auf befestigten Böden zuverlässige Traktion, stoßen auf sehr schlammigem oder technischem Untergrund aber an Grenzen. Der Schutz gehört dank der strukturierten Zehenkappe zu den Stärken. Das robuste und luftige Mesh ist allerdings nur mäßig atmungsaktiv, was bei längerer Belastung und hohen Temperaturen den Wärmeaustausch begrenzen kann.
Der Schuh richtet sich an Läufer aller Gewichtsklassen, die für Ultra-Trails maximale Dämpfung und Untergrundfilterung suchen. Im Mittelpunkt stehen Schutz und flüssiges Abrollen auf abwechslungsreichen Strecken, während das Ermüdungsmanagement wichtiger ist als reine Geschwindigkeit.
TESTBERICHT – HOKA SPEEDGOAT 7
➜ Die HOKA Speedgoat 7 verbindet in der Kategorie Trail Ultra schützende Dämpfung, präzisen Sitz und Dynamik für lange Ausdauerleistungen.
Schon beim Anprobieren vermittelt der körpernahe Schaft ein hohes Maß an Komfort und Sicherheit. Rund 40 Prozent der Tester loben den besonders präzisen, eng anliegenden Sitz und den konsequenten Halt im Mittelfuß. Wichtig ist die Passform: Das Modell fällt klein aus, sodass für lange Läufe möglicherweise eine größere Größe nötig ist. Die sehr dünne Zunge reicht weit über den Spann und erleichtert das Hineinschlüpfen. Eine Aufbewahrung für die Schnürsenkel fehlt allerdings, wie einige Nutzer anmerken.
In Bewegung gehören Dynamik und der spielerische Charakter zu den herausragenden Eigenschaften des Schuhs. Trotz der voluminösen Sohle liefert der Schaumstoff eine gute Energierückgabe und einen spritzigen Abdruck. Der ausgeprägte Rocker unterstützt dabei ein flüssiges Abrollen. So lässt sich auf laufbaren Passagen ein hohes Tempo halten, ohne dass die umfassende Filterung des Untergrunds über viele Stunden verloren geht.
Halt und Stabilität sind auf technischen Abschnitten vorbildlich. Die Konstruktion ermöglicht präzise Fußplatzierungen und gibt auch in Geröllfeldern und steilen Passagen Sicherheit. Ein einzelner Testbericht erwähnt allerdings eine punktuelle Instabilität im Vorfuß. Das leistungsfähige Stollenprofil bietet auf den unterschiedlichsten Bergböden zuverlässige Traktion. Eine funktionale Zehenkappe schützt den Fuß, wird auf sehr aggressivem Terrain von einigen Testern wegen ihrer gewissen Nachgiebigkeit aber als möglicher Schwachpunkt gesehen.
Die HOKA Speedgoat 7 richtet sich an Läufer aller Gewichtsklassen, die für Ultra-Trails und sehr lange Bergläufe einen stabilen, dynamischen und stark schützenden Schuh suchen. Wer den Körper schonen und präzise auftreten möchte, ohne auf die nötige Dynamik für lange Distanzen zu verzichten, findet hier eine besonders stimmige Lösung.
TESTBERICHT – KAILAS FUGA EX330
➜ Die KAILAS FUGA EX330 ist in der Kategorie Trail Ultra ein technischer Schuh, der bei langen Bergläufen vor allem auf Untergrundfilterung und Schutz setzt.
Beim Hineinschlüpfen vermittelt der Schuh sofort Komfort. Der eng anliegende, sockenartige Sitz umschließt den Fuß. Das Innenvolumen ist eher knapp und richtet sich vor allem an Läufer mit schmalen Füßen. Für andere Fußformen kann der Schnitt zu stark einengen. Die Quicklace-Schnürung stabilisiert den Fuß wirksam, erzeugt bei einem Teil der Tester unter Spannung aber unangenehmen Druck auf dem Fußrücken und am Knöchel. Die schmale, hoch reichende Zunge verstärkt dieses anfängliche Druckgefühl.
Grip und Traktion sind die klaren Stärken des Modells. Die Außensohle mit ihren dicken, ausgeprägten Stollen bietet auf losem Boden, im Schlamm und auf technischen Trails konsequenten Halt. Das sorgt besonders im steilen Gelände für Sicherheit. Auch der Schutz überzeugt: Die robuste Zehenkappe steckt Stöße weg, das strukturierte Mesh widersteht Abrieb. Die dicke Sohle filtert Unebenheiten umfassend und schützt den Körper über viele Stunden vor wiederholten Schlägen.
Beim Abdrücken zeigt sich die hohe Dichte der Sohle. Die steife Konstruktion begrenzt Dynamik und Energierückgabe auf flachen, laufbaren Passagen. Knapp die Hälfte der Tester empfindet die Dämpfung als fest und den Schuh als relativ schwer. Er passt daher besser zu einem gleichmäßigen Tempo als zur reinen Geschwindigkeitssuche. Der vordere Rocker unterstützt zwar das Abrollen, die schmale Plattform kann in Geröllfeldern aber die seitliche Balance beeinträchtigen und bei unsicheren Tritten zu wenig Halt vermitteln.
Die KAILAS FUGA EX330 richtet sich an erfahrene Trailrunner mit schmalen Füßen, die für Ultra-Trails einen stabilen und besonders schützenden Schuh suchen. Auf technischen und schlammigen Strecken spielt sie ihre Robustheit und den starken Grip voll aus und ermöglicht auch über viele Stunden ein sicheres Vorankommen.
TESTBERICHT – MERRELL MTL ADAPT MATRYX
➜ Die Merrell MTL Adapt Matryx ist ein Schuh der Kategorie Trail Ultra mit voluminöser Sohlenkonstruktion und maximaler Filterung von Unebenheiten.
Beim Anziehen fühlt sich der Schuh deutlich steif an. Der Einstieg ist eher karg, die sehr dünne, ungepolsterte Zunge verlangt beim Schnüren nach genauer Anpassung. Die runden Schnürsenkel müssen konsequent festgezogen werden, damit der Fuß sicher gehalten wird.
Beim Laufen sind Halt und Stabilität die größte technische Schwäche. Die dicke Sohle und die ausgeprägte Rocker-Geometrie erzeugen auf unebenem Terrain eine deutliche seitliche Instabilität. Einige Tester haben besonders im Quergefälle Schwierigkeiten, den Knöchel zu stabilisieren, was die Präzision der Tritte mindert. Bei schmalen Füßen kann der Fuß im Schuh verrutschen. Die Zehenbox wird von einigen als zu weit, von anderen paradoxerweise als zu knapp empfunden.
Dämpfung und Dynamik fallen für diese Kategorie ungewöhnlich aus. Trotz der wuchtigen Optik ist der Zwischensohlenschaum sehr dicht und fest. Er filtert den Untergrund stark, vermittelt dabei aber eine eher harte Dämpfung. Der ausgeprägte Rocker an Vorder- und Rückfuß erleichtert das Abrollen mechanisch, während die steife Sohle den natürlichen Vortrieb begrenzt. Der hervorragende Grip kommt von den markanten Stollen, die auf losem Untergrund zuverlässig greifen. Eine stabile Zehenkappe und der dicke Schaft erhöhen den Schutz vor äußeren Einwirkungen.
Die Merrell MTL Adapt Matryx richtet sich an mittelschwere bis schwere Läufer, die auf laufbaren Wegen einen stabilen Schuh suchen. Wegen ihrer Steifigkeit und der begrenzten Sicherheit im technischen Gelände passt sie eher zu Läufern, die auf mittleren bis langen Distanzen maximale Untergrundfilterung bevorzugen, als zu Ultra-Trails, bei denen Flexibilität und ermüdungsresistenter Halt gefragt sind.
TESTBERICHT – NEW BALANCE HIERRO V9
➜ Die New Balance Hierro V9 ist für lange Ausdauerleistungen in der Kategorie Trail Ultra konzipiert und setzt auf großzügige Dämpfung sowie umfassende Untergrundfilterung.
Beim statischen Test überzeugt der Schuh mit außergewöhnlichem Komfort. Das weiche Mesh und der hohe, stark gepolsterte hintere Kragen erleichtern den Einstieg und sichern den Fuß. Die dicke Zunge verhindert Druckstellen. Rund ein Drittel der Tester findet die Schnürung allerdings schwierig einzustellen, da sie je nach Fußform zu elastisch ist oder rutscht. Das Innenvolumen ist großzügig, die geräumige Zehenbox bietet auch bei langen Läufen Platz für einen anschwellenden Fuß. Im Stand wirkt der Schuh dadurch recht wuchtig.
In Bewegung sind Halt und Stabilität die wichtigsten Punkte, auf die man achten sollte. Viele Rückmeldungen beschreiben eine deutliche seitliche Instabilität, bei der der Fuß unter Belastung nach außen oder innen wegkippt. Zusammen mit der hohen Sohlenkonstruktion kann das auf technischen Abstiegen und sehr unebenem Boden Vertrauen kosten. Der Fersenhalt bleibt dank des stabilen Fersenkonters wirksam. Die weiche Dämpfung wird nahezu einhellig für ihre gute Stoßabsorption gelobt.
Der ausgeprägte Rocker an Vorder- und Rückfuß ermöglicht auf laufbaren Trails ein flüssiges Abrollen. Beim Rebound erfüllt der Schuh seine Aufgabe, seine hohe wahrgenommene Masse bremst die Reaktionsfreude bei Beschleunigungen jedoch etwas. Der Grip gehört zu den klaren Stärken: Große Stollen sorgen auch in Schlamm und auf losem Untergrund für zuverlässige Traktion. Eine robuste, weit nach hinten reichende Zehenkappe schützt den Vorfuß, während die Sohlenkonstruktion Unebenheiten wirkungsvoll neutralisiert. Einige Tester bemängeln bei langen Belastungen die begrenzte Belüftung des Meshs.
Das Modell wurde für Ultra-Trails entwickelt, bei denen Körperschutz und lang anhaltender Komfort wichtiger sind als reine Geschwindigkeit. Die New Balance Hierro V9 richtet sich an Läufer aller Gewichtsklassen, die auf abwechslungsreichen, wenig technischen Trails maximale Filterung und schützende Dämpfung bei gleichmäßigem Tempo suchen.
TESTBERICHT – ROSSIGNOL VERCORS
➜ Die Rossignol Vercors ist ein technischer Schuh für lange Bergläufe und bewegt sich an der Schnittstelle zwischen technischem Trail und Ultra-Distanz.
Beim Anprobieren gefällt der angenehme, ergonomische Innenschuh, der sich präzise an die Fußform anschmiegt. Schaft und Zunge sind dünn und vermitteln viel Nähe zum Schuh, wirken anfangs jedoch auf einige Nutzer etwas steif. Die Schnürung hält den Fuß zuverlässig, lediglich eine Schnürsenkelgarage fehlt. Der besonders hohe hintere Kragen und die verlängerte Fersenkappe stützen die Achillessehne und sind auf lange Belastungen ausgelegt. Der Schnitt wird überwiegend als eng beschrieben, was bei bestimmten Fußformen Druck am Fußgewölbe erzeugen kann.
In Bewegung zählen Fußhalt und präzises Aufsetzen zu den Stärken der Vercors. Auf unwegsamem Gelände und in Geröllfeldern vermittelt der Schuh eine konsequente Stabilität und erlaubt ein sicheres technisches Laufen. Auf sehr langen Distanzen gibt es jedoch Einschränkungen: Mit zunehmender muskulärer Ermüdung kann die schmale Plattform weniger Vertrauen geben. Die feste Dämpfung liefert guten Vortrieb und einen federnden Lauf, weicht damit aber von der sonst üblichen starken Filterung der Kategorie Trail Ultra ab.
Die Michelin-Gummimischung und die robusten Stollen bieten auf einer großen Bandbreite von Bergböden guten Grip. Zehenkappe und robustes Mesh schützen den Fuß, die Untergrundfilterung ist für lange Ausdauerleistungen jedoch begrenzt. Rund ein Drittel der Tester vermisst Dämpfung im Vorfuß. Auf Strecken über 70 Kilometer kann die große Bodennähe dadurch zu Ermüdung führen. Der geringere Frontschutz ist der angestrebten Präzision und dem niedrigen Gewicht geschuldet.
Die Rossignol Vercors richtet sich an technisch versierte, trainierte Läufer, vorzugsweise mit schmalen Füßen, die für mittlere bis lange Distanzen einen stabilen und reaktionsfreudigen Schuh suchen. Auf steilen Bergpfaden und steinigem Terrain spielt sie ihre Präzision und Dynamik aus. Für Ultra-Trails über 100 Kilometer fehlt ihr jedoch die großzügigere Dämpfung.
TESTBERICHT – X-BIONIC TERRASKIN X03
➜ Die X-Bionic Terraskin X03 ist in der Kategorie Trail Ultra ein technischer Schuh für lange Ausdauerleistungen, der auf starke Untergrundfilterung und konsequenten strukturellen Schutz setzt.
Beim Anprobieren fallen das weiche Mesh und die sehr elastische Zunge auf. Sie umschließen den Spann, ohne nennenswerte Reibung zu erzeugen. Der Kragen ist jedoch eine klare Schwachstelle: Mehr als die Hälfte der Tester empfindet die weit nach oben reichende hintere Kappe an der Achillessehne als störend steif. Der Schnitt ist asymmetrisch. Der Mittelfuß lässt sich eng schnüren, während die Zehenbox besonders viel Raum bietet. Das ist auf lange Sicht bequem, kann bei schmalen Füßen aber zu einem schwimmenden Gefühl und fehlender Präzision führen.
Beim Laufen dominiert die Steifigkeit der Sohle. Sie priorisiert Stabilität und Schutz über lange Zeit, schränkt aber die natürliche Flexibilität ein. Unebenheiten werden hervorragend gefiltert, auch auf technischen Trails. Ein ausgeprägter Rocker führt den Fuß dennoch mechanisch nach vorn und erleichtert den Übergang. Die Eigendynamik bleibt allerdings moderat: Der Schuh wirkt wie ein dichter Block und reagiert bei kräftigen Beschleunigungen nur verhalten.
Ein stabiles Chassis und leistungsfähige Stollen sichern den Fuß in Bewegung und bieten auf vielen Untergründen zuverlässigen Grip. Der Schutz gehört dank der massiven Zehenkappe und der sehr robusten Sohle zu den festen Stärken des Modells. Bei der Plattform gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied: Die Ferse ist sehr steif, während der Vorfuß deutlich mehr Bodennähe vermittelt. Für Ultra-Distanzen braucht der Fuß deshalb eine gewisse Eingewöhnungszeit.
Die X-Bionic Terraskin X03 richtet sich an Läufer, die bei langen Berg-Ultras Komfort und maximalen Schutz suchen. Besonders geeignet ist sie für breite Füße, bei denen Untergrundfilterung und ermüdungsresistenter Halt wichtiger sind als geringes Gewicht und eine flexible Konstruktion.