Rossignol Vercors im Test
Ein Jahr nach dem viel beachteten Einstieg ins Trailrunning mit der auf der UTMB vorgestellten Vezor erweitert Rossignol sein Trailportfolio mit der Vercors. Sie ist der erste Schuh der Marke, der für lange Distanzen entwickelt wurde. In das Modell fließen mehr als hundert Jahre Erfahrung rund um den Fuß ein, und die Argumente sind überzeugend.
Vom 18. bis 21. Mai 2026 konnten 20 sorgfältig ausgewählte Tester beim ersten Trail Test Camp die Rossignol Vercors kennenlernen. MY TRAILS organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit FINISHERS in Le Lioran im Cantal. Als erster von der französischen Marke entwickelter Trailrunning-Schuh für lange Distanzen soll die Vercors Trailrunner auf unterschiedlichstem Terrain begleiten. Dafür setzt sie auf eine ausgewogene Mischung aus Komfort, Schutz und Dynamik. Mit dem reaktiven E+FOAM-Schaum, der Diapazon Shield X-LT-Schutzplatte und der DuraGrip-Ultra-Außensohle mit zuverlässigem Grip und hoher Haltbarkeit will sie Stabilität, Dämpfung und Effizienz sowohl auf langen Läufen als auch auf Ultra-Distanzen bieten.
Das Fazit der Tester beim Trail Test Camp
Die Rossignol Vercors ist ein technisch ausgelegter Schuh für lange Bergläufe. Er bewegt sich an der Schnittstelle zwischen technischem Trailrunning und Ultra-Distanz.
Beim Anprobieren fällt zunächst die angenehme, ergonomische Passform auf, die sich präzise an den Fuß anschmiegt. Schaft und Zunge sind dünn und vermitteln einen direkten Kontakt zum Schuh, auch wenn einige Tester anfangs eine gewisse Steifigkeit feststellen. Das Schnürsystem sorgt für guten Halt, lediglich eine Schnürsenkeltasche fehlt. Auffällig sind der besonders hohe hintere Schaftabschluss und die verlängerte Fersenkappe, die die Achillessehne unterstützt und für lange Belastungen ausgelegt ist. Der Leisten wird überwiegend als eher schmal beschrieben. Bei bestimmten Fußformen kann das im Bereich des Fußgewölbes Druckstellen verursachen.
In Bewegung zählen der sichere Halt des Fußes und die präzise Bodenaufnahme zu den großen Stärken der Vercors. Auf ruppigem Untergrund und Geröllfeldern vermittelt der Schuh eine konsequente Stabilität und erlaubt technisch anspruchsvolle Passagen mit Vertrauen. Bei sehr langen Distanzen fällt das Urteil etwas differenzierter aus: Einige Tester empfinden die schmale Plattform mit zunehmender muskulärer Ermüdung als weniger sicher. Die Dynamik ist deutlich spürbar. Die eher feste Dämpfung liefert einen effektiven Energierücklauf und einen leichten, flüssigen Schritt, der sich von der üblichen Dämpfungscharakteristik vieler Trail- und Ultra-Modelle abhebt.
Der Grip der Michelin-Gummimischung mit ihren robusten Stollen überzeugt auf einer großen Bandbreite alpiner Untergründe. Ein Geröllschutz und das widerstandsfähige Mesh schützen den Fuß, bei der Dämpfung zeigt sich allerdings eine Grenze für lange Belastungen. Rund ein Drittel der Tester bemängelt zu wenig Dämpfung im Vorfuß. Auf Strecken jenseits der 70 Kilometer kann die große Bodennähe dadurch zu Ermüdungserscheinungen führen. Dieser geringere Schutz im Vorfuß ist die direkte Kehrseite der Präzision und des niedrigen Gewichts des Modells.
➜ Die Rossignol Vercors richtet sich an technisch versierte und trainierte Läufer, vorzugsweise mit schmalen Füßen, die einen stabilen und reaktiven Schuh für mittlere bis lange Distanzen suchen. Auf steilen Bergpfaden und steinigem Terrain spielt sie ihre Präzision und Dynamik voll aus. Der Wunsch nach einer großzügigeren Dämpfung, wie sie bei Ultra-Trails über 100 Kilometer unverzichtbar sein kann, steht dabei nicht im Vordergrund.
Rossignol bringt erneut ein sehr gelungenes Modell auf den Markt, das den Anforderungen des Ultra-Trails bestens gerecht wird: Stabilität, Komfort und Präzision stimmen. Mit diesen Schuhen an den Füßen macht das Laufen in den Bergen richtig Spaß. Die gleichzeitig feste und effiziente Dämpfung filtert Unebenheiten zuverlässig heraus und verleiht dem Schritt eine schöne Dynamik. Besonders gut gefällt mir die Vielseitigkeit, die den Schuh für lange Distanzen ebenso qualifiziert wie für kürzere, schnelle Formate. Ein kleiner Kritikpunkt sind die etwas langen Schnürsenkel ohne eigene Verstauungsmöglichkeit. Während des Laufs bleiben sie aber sicher fixiert.
Die Rossignol Vercors zeigt im Vergleich zu den Vorgängerversionen eine erfreuliche Entwicklung und läuft sich technischer, präziser und dynamischer. Ihr sportlicher Charakter dürfte Läufer ansprechen, die auf den Trails Reaktionsfreude und Effizienz suchen. Dank ihrer Präzision und Dynamik fühlt sie sich auf Trail-Medium-Distanzen von etwa 50 bis 70 Kilometern besonders wohl, kann aber auch bestimmte Läufer auf längeren Strecken begleiten. Läufer mit schmalen Füßen werden vor allem den Halt und den effizienten Lauf auf kurzen, schnellen Ultras schätzen. Auf sehr langen Distanzen jenseits der 80 Kilometer greifen Trailrunner, die maximalen Komfort und Schutz suchen, möglicherweise besser zu einem stärker auf Ausdauer ausgelegten Modell. Ihre Berechtigung im Ultra-Trail behält die Vercors dennoch, insbesondere für Athleten, denen Leistung, Präzision und ein direktes Laufgefühl wichtiger sind.
Dieser Schuh vermittelt ein hervorragendes Gefühl für den Untergrund. Die gelungene Balance aus Dämpfung und Steifigkeit unterstützt sowohl Präzision als auch Dynamik. Seine sehr schlanke Konstruktion verstärkt den Bodenkontakt und macht ihn zu einem der präzisesten Modelle seiner Kategorie. Nach einigen Kilometern zeigt die Michelin-Gummimischung ihr ganzes Potenzial: Der Grip ist effektiv und vermittelt besonders auf technischem Terrain viel Sicherheit. Sein Charakter prädestiniert den Schuh für Bergläufer, vertikale Kilometer und anspruchsvolle Ultras, bei denen seine Präzision und sein Gespür für den Untergrund voll zur Geltung kommen. Besonders gut passt er zu Läufern mit schmalen, kräftigen Füßen, die seinen technischen Charakter nutzen können. Auf langen Distanzen setzt das schlanke Profil stärker auf Agilität und Bodengefühl als auf maximalen Komfort. Das wird Trailrunner überzeugen, die auf anspruchsvollem Terrain Leistung und Kontrolle einem auf hohes Tempo ausgelegten, laufruhigeren Modell vorziehen.
Rossignol im Trailrunning? Darüber lächeln manche Puristen noch immer. Die Marke aus Voiron steht für 118 Jahre Skier, Schuhe und Bergsport im Winter, nicht unbedingt für Podiumsplätze beim UTMB. Der Einstieg in diesen Markt hat daher manchen überrascht. Ganz unlogisch ist er aber nicht. Hinter der Vercors, die für lange Distanzen entwickelt wurde, steckt schließlich eine unbestreitbare Expertise: jahrzehntelange Forschung und Entwicklung rund um die Mechanik des Fußes, diesmal auf das Laufen übertragen. Das Design Lab der Marke im italienischen Montebelluna, der Welthauptstadt für Sportschuhe und Skischuhe, hat sich intensiv mit dem Projekt beschäftigt. Tausende Fußscans und jahrelange Entwicklungsarbeit gingen voraus. Rossignol ist keine Modemarke, die nach einem neuen Spielfeld sucht, sondern ein etablierter Bergsport-Spezialist, der sich an seine Zeit anpasst.
Die Vercors ergänzt ein klug aufgebautes Trailportfolio: die Vezor für schnelle Wettkämpfe, die Venosk für den Alltag. Die Vercors ist die Spezialistin für lange Distanzen. Man zieht sie an, wenn es darum geht, lange durchzuhalten, und nicht darum, auf kurzer Strecke zur Rakete zu werden.
E+FOAM-Schaum und Diapazon-Shield-Platte für Dynamik und Haltbarkeit
Mit einer Sprengung von 32 mm positioniert sich die Vercors im Segment für lange Distanzen. Sie ist weniger maximalistisch aufgebaut als eine Asics Trabuco Max 5 oder eine Hoka Speedgoat, bietet aber ausreichend Dämpfung für längere Belastungen. Rossignol beschreibt den E+FOAM-Schaum als reaktiv und langlebig, was in diesem Segment beinahe zum Standardversprechen gehört. Entscheidend ist nicht unbedingt ein explosiver Rebound am Start, sondern dass der Schaum auch nach mehreren Stunden Belastung noch funktioniert. Interessanter ist die integrierte Diapazon Shield X-LT-Platte unter dem Fuß. Sie schützt vor Aufprallbelastungen und unterstützt ähnlich wie ein Rocker das Abrollen, um die muskuläre Belastung auf langen Abschnitten zu reduzieren.
Auch der innere Aufbau ist durchdacht: eine doppelte Einlegesohle und ein Torsionsschutz aus flexiblem PU, der in die Zwischensohle integriert ist. Solche Details findet man normalerweise bei Marken, die bereits zehn Jahre Trail-Entwicklung hinter sich haben, nicht in einer zweiten Kollektion. Rossignol hat sich offenbar die Zeit genommen, die Sache gründlich anzugehen, statt überhastet ein Produkt auf den Markt zu bringen. Hier zeigt sich die langjährige Erfahrung der Marke im Skischuhbau besonders deutlich.
Ein atmungsaktiver Schaft für den Ultra-Einsatz
Das zu 100 Prozent recycelte Jacquard-Mesh des Schafts ist für eine gute Belüftung mikroperforiert. Noch interessanter ist jedoch sein elastisches Verhalten. Der Schaft lässt dem Fuß Raum, während der Belastung natürlich anzuschwellen, ohne Druckstellen zu erzeugen. Auf einem zweistündigen Lauf ist das kaum entscheidend. Bei einem Ultra kann ein solches Detail jedoch Blasen und Schmerzen im Rennverlauf verhindern, die nichts mit muskulärer Ermüdung zu tun haben. Rossignol kennt dieses Thema. Die Marke beschäftigt sich seit Jahrzehnten damit, wie ein Schuh einen Fuß über viele Stunden sicher halten muss.
Grip ohne Kompromisse
Die DuraGrip-Ultra-Außensohle mit 4-mm-Stollen soll vielseitig einsetzbar sein: im Schlamm, auf Fels, nassen Untergründen und trockenem Terrain. Das Sohlenprofil kombiniert mehrere Stollentypen, die jeweils eine bestimmte Aufgabe erfüllen: Bremsen, seitliche Stabilität und Vortrieb. Diese Differenzierung zeugt von echter Entwicklungsarbeit statt von einer beliebigen Standards sohle. Auf gemischtem Terrain, dem eigentlichen Einsatzgebiet dieses Schuhs, dürfte sie zuverlässig funktionieren und keine unangenehmen Überraschungen bereithalten.
Recycelte Materialien: 100 Prozent recyceltes Mesh im Schaft, 80 Prozent recycelte Textilfasern im Futter und 30 Prozent recyceltes Material in der Außensohle. Rossignol berücksichtigt diese Aspekte bereits in den ersten Trail-Entwicklungen. Das ist begrüßenswert, auch wenn es gerade im Trailrunning inzwischen zum erwartbaren Mindeststandard gehört.
Die Vercors ist gemacht für …
► Trailrunner auf langen Distanzen und abwechslungsreichem, aber nicht extremem Terrain
► Läufer, deren Füße im Verlauf eines Ultras anschwellen und schmerzen
► Neugierige, die eine Bergsportmarke mit echter technischer Erfahrung ausprobieren wollen
► Läufer, die auf eine zuverlässige Marke setzen wollen, die ihre Produkte sorgfältig und ohne übereilte Schritte entwickelt
Rossignol kann im Trailrunning noch keine lange Geschichte vorweisen. Gegenüber den großen Namen des Marktes ist das eindeutig ein Nachteil. Die französische Marke bringt jedoch zahlreiche Trümpfe mit. Ihr Know-how und ihre Erfahrung im Bergsport haben dafür gesorgt, dass sie seit ihrem Einstieg ins Trailrunning ernst genommen wird. Die Vercors ist ein interessantes Modell für lange Distanzen. Der Schuh ist sorgfältig konstruiert und sieht gut aus, die technischen Entscheidungen wirken schlüssig, und die Außensohle macht einen starken Eindruck. Wie er sich nach mehreren Stunden Belastung tatsächlich anfühlt, muss sich noch zeigen. Die Antwort gibt es auf den Trails.
Technische Daten der Rossignol Vercors
► Gewicht: 290 g (H)
► Sprengung: 6 mm
► Stack: 32 mm
► Stollen: 4 mm
► Grip: DuraGrip Ultra
► Terrain: gemischt
► Einsatz: lange Distanzen, laufbare Trails
Die Rossignol Vercors wurde speziell für lange Trailrennen entwickelt und verbindet Leistung, Komfort und Schutz in ausgewogener Weise. Eine dynamisch dämpfende Zwischensohle, ein schützender Einsatz und ein ultraleichter, stützender Schaft sorgen vom ersten bis zum letzten Kilometer für einen natürlichen, mühelosen Schritt.
Die DuraGrip-Ultra-Außensohle aus besonders widerstandsfähigem Gummi mit 4-mm-Stollen bietet hervorragenden Grip auf unterschiedlichstem Terrain. Die auf Ausdauer ausgelegte E+FOAM-Zwischensohle absorbiert Stöße zuverlässig und ermöglicht gleichzeitig einen flüssigen, langanhaltenden Lauf.
Dank dieser Konstruktion bleibt jeder Schritt präzise und stabil, auch auf technischem Untergrund wie Fels, Wurzeln oder instabilen Flächen. Der Schuh bietet sicheren Halt, einen reaktiven Rebound und konstanten Schutz, ideal für lange Distanzen und Ultra-Trail-Belastungen.
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