Nike überrascht alle und enthüllt seinen neuen Wettkampfschuh: den ACG Kigerfly
Damit hatte wohl niemand gerechnet. Und doch spielte sich alles bereits direkt vor unseren Augen ab. Die Marke mit dem Swoosh hat ihren neuen Trail-Hoffnungsträger offiziell vorgestellt: den Nike ACG Kigerfly. Der Schuh ist das Ergebnis bemerkenswerter Entwicklungsarbeit im Gelände. Über Monate wurde er auf den Bergtrails bei offiziellen Wettkämpfen von den Athleten des All Conditions Racing Department erprobt und weiterentwickelt. Technische Details gibt es bislang noch nicht, dafür einige reichlich schlammige Bilder und eine Gewissheit: Wenige Wochen vor dem UTMB holt Nike einen Schuh aus dem Schatten, der für Aufsehen sorgen dürfte. Bei den Eliteathleten genießt er schon jetzt großes Vertrauen und hat bei zahlreichen der bedeutendsten Rennen weltweit Podiumsplätze gesammelt, von der Western States bis zu den Europameisterschaften. Wir verraten euch alles über dieses Modell, das vor Geschwindigkeit und Nike-DNA nur so strotzt.
Ein Schuh, der buchstäblich mit Schlamm bedeckt aus dem Schatten tritt
Diesmal setzt Nike auf eine authentischere Kommunikation und stellt den Athleten ins Zentrum der Kampagne, nicht nur das Produkt. Kein glattgebügeltes Studio-Rendering, kein Marketingfeuerwerk zu den Vorzügen des Schuhs: Nike zeigt den ACG Kigerfly so, wie er ist, noch mit angetrocknetem Schlamm bedeckt, als hätte man ihn gerade nach dem Rennen von den Füßen eines Athleten gezogen. Die Botschaft ist klar und wird auch offensiv vertreten: Dieses Modell ist nicht im Labor auf einem Laufband entstanden. Es wurde draußen entwickelt, in Downhills ebenso wie in Anstiegen, von den Markenathleten bis an seine Grenzen gebracht und mit wertvollem Feedback weiter verfeinert. Die Geschichte ist stark, der Schuh erst recht.
Nach den Angaben der Marke hat der ACG Kigerfly gemeinsam mit den Mitgliedern des All Conditions Racing Department mehr als 18.000 Meilen, also rund 29.000 Kilometer, unter realen Bedingungen absolviert. Eine schwindelerregende Zahl. Nike überlässt bekanntlich nichts dem Zufall. Vor dem offiziellen Launch des ACG Ultrafly durchlief der Schuh dreizehn Testzyklen und mehr als 30.000 Meilen.
Auffälliger Einstand bei der Western States
Das Spannendste an dieser Geschichte: Der Schuh war bereits die ganze Zeit vor unseren Augen. Er ist schon Rennen gelaufen und hat sich auf höchstem Niveau im weltweiten Trailrunning bewährt, ohne dass es wirklich jemand bemerkt hätte. Im vergangenen Juni trug die US-Amerikanerin Jenn Lichter beim legendären Western States 100 einen Hybrid-Prototypen, einen aggressiv gezeichneten Schuh irgendwo zwischen Kiger, Zegama und Ultrafly. Sie lief einen großen Teil des Rennens darin, bevor sie für das Finish auf den Ultrafly 2 wechselte. Das Ergebnis: ein überlegener Sieg und ein neuer Streckenrekord. Bei ihrem allerersten 100-Meilen-Rennen. Eine herausragende Leistung. Direkt hinter ihr trug Riley Brady denselben Prototypen über die gesamte Distanz. Zwei Ergebnisse, die die Leistungsfähigkeit des Prototyps bereits eindrucksvoll bestätigt haben.
Natürlich erinnert dieses Szenario an 2025, als Caleb Olson dasselbe Rennen in einem Ultrafly-Prototypen gewann, ein Jahr vor dessen Verkaufsstart. Diesmal war es hinter Lichter und Brady ein ganzes Aufgebot von ACG-Athleten, das den Kigerfly auf den Trails rund um den Globus mitentwickelte: Cesare Maestri, Lauren Gregory, Christian Allen, Liam Meirow, Gabriela Lasalle, Takako Takamura und Yao Miao, dreifache Siegerin des UTMB.
Rund um den ACG Kigerfly bleiben viele Fragen offen
Nike hat so gut wie keine Zahlen genannt. Weder Gewicht noch Sprengung oder Sohlenhöhe sind bekannt. Auch eine offizielle Bestätigung für eine Carbonplatte gibt es nicht, obwohl man angesichts des Namens „Fly“ fast davon ausgehen könnte. Jedes Fly-Modell von Nike besitzt schließlich eine Flyplate aus Carbon. Auf den Bildern ist hingegen klar zu erkennen: eine über die gesamte Sohlenlänge sichtbare ZoomX-Schaumstoffschicht, ein dünnes Obermaterial mit Verstärkungen an Zehen, Ferse und Mittelfuß, ein eng anliegender Schaftabschluss sowie eine solide konstruierte Ferse für mehr Stabilität. Unter der Sohle sitzen niedrige, nicht allzu aggressive Stollen, die eher für gut laufbare Trails ausgelegt sind.
Nike kündigt technische Informationen für Anfang 2027 an. Bis dahin bleibt also noch reichlich Zeit, den Schuh bei den kommenden Sommerwettkämpfen zu beobachten.
Weder ganz Kiger noch ganz Ultrafly
Der Name gibt bereits einen guten Hinweis auf die Strategie: „Kiger“ steht für das geringe Gewicht und den spritzigen Charakter des Terra Kiger, eines leichten und schnellen Trailrunningschuhs. „Fly“ verweist auf die Geschwindigkeits-DNA mit Carbonplatte und ZoomX-Schaumstoff. Auf dem Papier wie auch auf den Bildern wirkt das Ergebnis tatsächlich wie eine Mischung aus beidem: leichter und sichtbar flacher als der Ultrafly, in der Silhouette aber ebenso kompromisslos und dynamisch. Das lässt einen aggressiveren, rassigeren Gegenentwurf zum ACG Ultrafly vermuten, für Läufer, die auf technischen Trails maximale Performance mit weniger Gewicht und weniger Stack als beim aktuellen Referenzmodell suchen.
Neben dem bereits bewährten Ultrafly erweitert Nike damit sein Angebot in der hochkompetitiven Kategorie der Trailracer. Interessant ist dabei die Ausrichtung auf ein leichteres und technischeres Modell, das den etwas schwereren und stärker schützenden Ultrafly ideal ergänzen könnte. Ob der Kigerfly auf anspruchsvollen Trails auch über die lange Distanz überzeugt, muss sich noch zeigen. Doch angesichts der Begeisterung unter den Athleten und der Bestätigung bei der Western States scheint Nike seine Wette bereits gewonnen zu haben.
Die wichtigsten Infos
Name: Nike ACG Kigerfly (Prototyp)
Entwicklung: mehr als 18.000 Meilen bzw. rund 29.000 km Tests mit dem All Conditions Racing Department
Gesichtet: Western States 100, Juni 2026, an den Füßen von Jenn Lichter und Riley Brady (Platz eins und zwei, Streckenrekord für Lichter)
Bestätigt: ZoomX-Schaumstoff
Vermutet, nicht bestätigt: Flyplate aus Carbon
Bislang unbekannt: Gewicht, Sprengung, Stack, Preis, Erscheinungstermin
Nächster Schritt: technische Vorstellung für Anfang 2027 geplant
Der ACG Kigerfly ist letztlich nicht aus dem Nichts aufgetaucht. Er war bereits vor unserer Nase zu sehen, an den Füßen der Markenathleten, die ihn seit Monaten weiterentwickeln. Die Athleten des ACG Department standen im Zentrum dieser Innovation, und die Geschichte der Produktfamilie ist genau so stark, wie Nike es versteht. Auch wenn rund um den Schuh noch vieles im Dunkeln liegt, lassen seine zahlreichen Podiumsplätze wenig Raum für Zweifel. Schon jetzt wirkt er wie die künftige Speerspitze für die Nike-ACG-Trailrunner bei den kommenden Rennen. Angefangen beim Dorflauf nahe Chamonix Ende des Monats.
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