170-Kilometer-Ultratrail zwischen Mont-Saint-Michel und Granville für 2027 geplant
Veröffentlicht am Do., 24. September 2026
Die Bucht des Mont-Saint-Michel könnte 2027 Schauplatz eines neuen Trail-Events mit ungewöhnlichem Konzept werden. Die Agentur Wima Sport arbeitet an einem 170 Kilometer langen Ultratrail vom Mont-Saint-Michel nach Granville, dessen Strecke für diese Distanz erstaunlich flach und laufbar wäre. Das noch nicht bestätigte Projekt sieht außerdem drei kürzere Formate vor und könnte möglicherweise in das UTMB-Ökosystem integriert werden.
Nach der angekündigten Rückkehr des Marathons in der Bucht nimmt rund um den Mont-Saint-Michel ein weiteres ambitioniertes Projekt Gestalt an. Die in Avranches ansässige Eventagentur Wima Sport, die bereits den Trail de Jullouville und den Triathlon de Granville veranstaltet, arbeitet derzeit an einem Ultratrail, der das normannische Wahrzeichen mit dem Seebad Granville verbinden soll. Offiziell ist allerdings noch nichts: Weder der Name des Rennens noch die Startgebühren oder Zeitlimits stehen fest. Die Eckdaten des Projekts werden jedoch konkreter und dürften für erfahrene Trailrunner durchaus überraschend sein.
Eine Strecke gegen die üblichen Ultratrail-Standards
Auf dem Papier beeindruckt die Königsdistanz des Projekts: 170 Kilometer. Noch mehr Aufmerksamkeit zieht jedoch der Höhenunterschied auf sich. Auf der gesamten Strecke sind rund 1.500 Höhenmeter im Aufstieg vorgesehen, also im Schnitt weniger als zehn positive Höhenmeter pro Kilometer. Im Vergleich zu Referenzen der Szene wie dem UTMB, dem Tor des Géants oder der Diagonale des Fous ist das verschwindend wenig. Dieses Format würde eher dem Ultra Marin entsprechen, einem ebenfalls in einer Bucht ausgetragenen Rennen über 175 Kilometer und 1.430 Höhenmeter. Schauplatz ist dort die Bucht von Morbihan.
Auf einer derart laufbaren Strecke gäbe es weder lange Anstiege noch technische Passagen, die das Tempo bremsen. Die entscheidende Herausforderung wäre die Fähigkeit, über lange Zeit ohne echte Unterbrechung zu laufen. Gefragt wären damit andere Qualitäten als bei alpinen Ultras, vor allem die Fähigkeit, dauerhaft ein hohes Tempo zu halten. Für Trailrunner, die es gewohnt sind, an steilen Anstiegen zwischen Laufen und Gehen zu wechseln, könnte dieses Terrain sogar besonders hart werden, weil Erholungsmöglichkeiten kaum vorhanden wären.
Genau darin liegt die Besonderheit des Projekts: eine Ultratrail-Distanz in einer Region anzubieten, in der die Herausforderung vor allem aus der Kilometerzahl und nicht aus den Höhenmetern entstehen würde.
Vom Mont-Saint-Michel über Avranches und Villedieu-les-Poêles nach Granville
Nach den ersten Entwürfen würde die 170-Kilometer-Strecke am Mont-Saint-Michel starten und über Avranches, Villedieu-les-Poêles, La Haye-Pesnel, Sartilly-Baie-Bocage, Jullouville und Saint-Pair-sur-Mer ins Ziel nach Granville führen.
Das Projekt soll sich nicht auf dieses eine Format beschränken. Drei weitere Distanzen stehen zur Diskussion: 100, 50 und 20 Kilometer. Die Starts könnten ebenfalls in Richtung Granville von Avranches und Jullouville aus erfolgen. Damit ließen sich ganz unterschiedliche Läufertypen ansprechen, vom Neuling, der seine erste Langdistanz ausprobieren möchte, bis zum Ultraläufer auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Format.
Integration in das UTMB-Ökosystem im Gespräch
Ein weiterer Faktor, der für Veranstalter und Läufer eine Rolle spielen könnte, ist die mögliche Aufnahme des Rennens in das UTMB-Ökosystem. Damit könnten Punkte vergeben werden, die eine Bewerbung für Rennen der Serie ermöglichen. Konkrete Modalitäten wurden bislang allerdings nicht bekannt gegeben, und das Projekt befindet sich weiterhin in der Ausarbeitung.
Ein Termin muss in einen bereits vollen regionalen Kalender passen
Wima Sport erwägt eine Austragung Mitte Oktober 2027. Nun muss dieser Termin noch in einen ohnehin dicht gefüllten regionalen Kalender passen. In der Bucht des Mont-Saint-Michel finden zu dieser Jahreszeit bereits mehrere Sportveranstaltungen statt, allen voran der Bayman, der in der Bucht ausgetragene Triathlon. Diesen Aspekt muss die Agentur berücksichtigen, bevor sie irgendetwas offiziell macht.
Über das konkrete Projekt hinaus bestätigt die Ankündigung einen größeren Trend: Der Mont-Saint-Michel etabliert sich offenbar Jahr für Jahr stärker als gefragter Austragungsort für Laufveranstaltungen. Die normannische Sehenswürdigkeit bringt dafür einen entscheidenden Trumpf mit: eine UNESCO-Welterbekulisse, die weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt ist.
Mit der angekündigten Rückkehr des Marathons du Mont Saint Michel und diesem ungewöhnlichen Ultratrail-Projekt könnte die Bucht ab 2027 zu einem der neuen Ziele werden, die Lauf- und Trailbegeisterte in Frankreich im Blick behalten sollten.