Projekt 0 to 100: Erste Bilanz mit Guillaume Millet nach dem ETC beim UTMB 2026

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Von Luc Beurnaux

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Projekt 0 to 100: Erste Bilanz mit Guillaume Millet nach dem ETC beim UTMB 2026

Im vergangenen Februar setzte der Sportphysiologe Guillaume Millet sein Projekt „0 to 100“ in die Tat um. Ziel war es, 40 inaktive Menschen auszuwählen und 80 Prozent von ihnen nach 18 Monaten Vorbereitung an die CCC 2027 heranzuführen, einen 100 Kilometer langen UTMB-Mont-Blanc-Lauf mit 6.000 Höhenmetern. Wissenschaftlich belegen sollte das Projekt die spektakulären Effekte intensiver körperlicher Aktivität auf die Physiologie, darunter Ausdauer, Muskelqualität sowie Muskelkraft und -leistung, aber auch auf die Gesundheit: Lebensqualität, Ermüdung, Körperzusammensetzung und Schlaf. Nach den ersten sechs Monaten körperlicher Vorbereitung absolvierten die 40 Teilnehmer im vergangenen August beim ETC des UTMB 2026 ihren ersten Wettkampftest über 15 Kilometer und 1.200 Höhenmeter. Bilanz und Ausblick mit dem Initiator des Projekts.

Guillaume, was nehmen Sie von diesem ersten Wettkampftest beim ETC 2026 mit?

Zunächst einmal, dass dieser Trail echt eine Hausnummer ist. Auf dem Papier wirken 15 Kilometer nach nicht viel, aber zusammen mit den Höhenmetern und dem technisch anspruchsvollen Gelände war der ETC eine echte Herausforderung. Ich hatte nicht realisiert, wie hart die Strecke ist. Als ich den Anstieg bis zur Verpflegungsstation begann, dachte ich: Vielleicht ist das doch ein bisschen zu schwer, vielleicht sind unsere Athleten dafür noch nicht ganz bereit, auch wenn die Zeitlimits ziemlich großzügig waren.

Am Ende haben es 37 der 40 Teilnehmer geschafft. Die große Mehrheit der Starter kam also durch, und das ist durchaus eine positive Überraschung. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass sich alle in sechs Monaten deutlich verbessert haben, obwohl sie nicht speziell auf diese Höhenmeter vorbereitet waren.

Der Plan ist also nahezu reibungslos aufgegangen?

Es lief nicht nur bei diesem Rennen sehr gut, sondern seit Beginn des Programms. Ich klopfe auf Holz, denn das heißt natürlich nicht, dass es so weitergeht. Aber bis heute hätten wir uns kaum mehr wünschen können. Alle 40 Teilnehmer sind noch dabei, und das war keineswegs selbstverständlich. Positiv ist auch die Gemeinschaft, die sich unter ihnen entwickelt hat. Sie halten wirklich zusammen. Die Motivation ist bei allen ungebrochen, auch bei den drei, die den ETC nicht beendet haben, sich aber schnell wieder aufgerafft haben. Jeder weiß, dass der Weg bis ins Ziel der CCC hart wird. Wenn sie konsequent bleiben und die kommenden intensiven Trainingswochenenden gut verkraften, gibt es keinen Grund, warum es nicht klappen sollte. Die Schwierigkeit der CCC liegt weniger in Distanz und Höhenmetern als in den Zeitlimits. Die sind ziemlich anspruchsvoll.

Glauben Sie, dass auch das Adrenalin des Wettkampfs den Ausgang des ETC beeinflusst hat?

Auf jeden Fall waren sie mit vollem Einsatz dabei, man hat gemerkt, wie wichtig das für sie war. Und generell gehen sie mit großer Begeisterung an das Projekt heran, manchmal fast ein bisschen zu sehr. Deshalb unterschätzen wir auch nicht, welchen Einfluss dieses Projekt auf ihr Leben hat. Wir haben deshalb eine mentale Begleitung und sogar psychologische Betreuung vorgesehen.

Hatten die 40 vor diesem ETC tatsächlich noch nie eine Startnummer getragen oder an einem Wettkampf teilgenommen?

Einige hatten in ihrer Jugend ein bisschen Fußball oder Schwimmen gemacht oder waren gelegentlich joggen. Die Grundvoraussetzung war aber, dass sie seit mehreren Jahren wirklich inaktiv waren. Einer von ihnen hatte nach einer Wette mit einem Freund einen Marathon absolviert. Er war 7:42 Stunden unterwegs und im Grunde die ganze Strecke gegangen, deshalb haben wir ihn aufgenommen. Bei einem anderen Bewerber stellten wir dagegen fest, dass er den Marseille-Cassis-Lauf in einer ordentlichen Zeit gelaufen war. Wir schlossen ihn aus, obwohl er keine böse Absicht hatte, denn er hatte uns gesagt, dass er nicht trainiert habe. Das Mindestalter für die Studie lag bei 25 Jahren. Der Jüngste hatte daher zwangsläufig erst wenige Jahre zuvor am Schulsport teilgenommen, aber das fällt kaum ins Gewicht. Alle starteten auf einem sehr niedrigen Niveau. Manche sogar auf einem extrem niedrigen.

Hat Sie jemand mit ungeahnten Fähigkeiten überrascht?

Ja, einige hatten erstaunlich gute Ausgangswerte, sodass wir uns gefragt haben, ob sie wirklich inaktiv waren. Ich führe das darauf zurück, dass sie diese Fähigkeiten in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter entwickelt hatten. Andere bringen angeborene Voraussetzungen mit, etwa eine gute VO2max von 40 oder 45 ml/min/kg. Sehr schlanke Menschen ohne Übergewicht. Umgekehrt gibt es Teilnehmer, die wirklich ganz am Anfang stehen, mit einer VO2max von 25 ml/min/kg. Sie alle waren inaktiv, aber sie starteten nicht am selben Punkt.

Ist der nächste Wettkampf bereits geplant?

Bis zur CCC haben wir vier Rennen freigegeben, von denen zwei absolviert werden müssen. Eines davon muss zu Beginn des Sommers über 40 oder 50 Kilometer gehen. Außerdem haben wir für Ende Dezember einen Lauf über 10 bis 15 Kilometer und im März einen über 20 bis 30 Kilometer erlaubt. Jetzt, da sie ein wenig trainiert sind, wollen sie natürlich Wettkämpfe bestreiten. Aber sie sollten es nicht übertreiben.

Ich mache mir Sorgen wegen des Winters und auch wegen der Tatsache, dass wir 2027 etwas mehr trainieren müssen, um das Ziel zu erreichen. Aber alle sind weiterhin motiviert.

Guillaume MIllet
Guillaume MIlletInitiator des Projekts und Sportphysiologe

Fürchten Sie diese Winterphase?

Ja, denn in dieser Zeit wird sich vieles entscheiden, und wir haben sie darauf aufmerksam gemacht. Müdigkeit und Winterwetter können die Motivation drücken. Deshalb haben wir auch einen Wettkampf im Dezember erlaubt, um die Motivation zumindest auf einem gewissen Niveau zu halten. Bis jetzt hatten sie es gewissermaßen leicht: Sie bekamen ihre Ausrüstung, liefen bei Sonnenschein in Chamonix und erlebten die besondere Atmosphäre des UTMB. Danach werden die Tage kürzer, und vieles wird zunehmend schwieriger.

Außerdem mache ich mir Sorgen, weil sie 2027 etwas mehr trainieren müssen. Bisher waren es fünf oder sechs Stunden pro Woche. Wenn zehn oder zwölf Stunden daraus werden, befürchte ich, dass sie wegen ihrer beruflichen und privaten Verpflichtungen etwas Schlaf opfern. Sie sind es nicht gewohnt, ihr Leben um das Training herum zu organisieren. Daran müssen sie sich erst anpassen.

Im nächsten großen Trainingsblock geht es also um die Arbeit an der Intensität?

Wenn man anfängt, lässt sich die Karosserie, also der Körper, relativ einfach stärken. Den Motor zu verbessern, ist danach deutlich schwieriger. Der nächste Schritt im gemeinsam mit École de Trail absolvierten Programm besteht deshalb darin, mit intensiveren Einheiten die Motorleistung zu steigern. Und möglichst ohne Verletzungen. Wir hatten bereits Verletzte, konnten sie aber dank der Physiotherapeuten eines weiteren Partners, La Clinique du Coureur, gut betreuen und wieder zurück ins Training bringen.

Bisher lag der Schwerpunkt der Vorbereitung auf dem Kraftaufbau. Jetzt beginnt ein viermonatiger Block, in dem das Trainingsvolumen kaum steigt, die Belastung aber durch höhere Intensität zunimmt. Das führt uns bis in den Januar. Danach erhöhen wir den Umfang und beginnen mit einzelnen intensiven Trainingswochenenden.

Wie viele gemeinsame Trainingslager sind geplant?

Ein Trainingslager haben wir bereits absolviert. Ende Oktober treffen wir uns in Besançon, danach in der Nähe von Annemasse. Wahrscheinlich kommt Anfang Juli ein viertes Trainingslager in La Rosière hinzu. Es ist nicht verpflichtend, wird aber dringend empfohlen, weil das Gelände dort dem der CCC ähnelt.

DAS PROJEKT 0 TO 100 IM ÜBERBLICK

  • 40 Teilnehmer, 20 Frauen und 20 Männer

  • Alter zwischen 25 und 50 Jahren

  • Vollständig inaktiv und bewegungsarm
  • 18 Monate, um vom bewegungsarmen Alltag (0 km) zum Start der CCC/UTMB (100 km und 6.000 Höhenmeter) in Chamonix zu kommen

  • 11 Trainer von École de Trail für die Vorbereitung

  • Ein wöchentlicher Trainingsplan und individuelle Betreuung für jeden Teilnehmer

  • Drei oder vier intensive Trainingswochenenden, an denen alle Teilnehmer und Betreuer zusammenkommen, mit Training, Kursen und theoretischen Grundlagen

  • Fünf Laborbesuche für Untersuchungen und Tests in Saint-Étienne

  • Drei sportliche Zwischenziele vor dem Hauptziel: ETC (15 km) / UTMB Chamonix im August 2026, ein Rennen Mitte Dezember, eines über 20 bis 30 km Anfang März und ein 40-km-Lauf im späten Frühjahr 2027

  • Infos: www.0to100.fr