Die verschiedenen Trailrunning-Formate

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Von Arnaud Didry

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

Die verschiedenen Trailrunning-Formate
© Franck ODDOUX

Vom Berglauf über Skyrunning und den Vertical Kilometer bis zum Ultra-Trail: ein Überblick über die unterschiedlichen Formate im Trailrunning.

Zu sagen, man betreibe Trailrunning, ist ein bisschen so, als würde man sagen, man gehe laufen. Klar, man zieht regelmäßig die Laufschuhe an, aber über welche Distanz? Seit seiner Entstehung in Frankreich Anfang der 2000er-Jahre hat sich die Trailrunning-Welt stark verändert. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Formaten ... und für Außenstehende ist es wirklich nicht leicht, den Überblick zu behalten. Wir erklären (fast) alles über die verschiedenen Wettkampfformen.

Der Berglauf

Puristen dürften die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie sehen, dass wir den Berglauf zur Trailrunning-Familie zählen. Schließlich ist der Berglauf deutlich älter als das Trailrunning. Bergsteiger liefen schon vor Jahrzehnten über hoch gelegene Wege, vor allem in der Schweiz, und stellten sich Herausforderungen nach dem Motto: „Wer zuerst oben ist, gewinnt!“

Diese ausgesprochen athletische Disziplin wird von nationalen und internationalen Verbänden organisiert und unterliegt einem präzisen Regelwerk. Stöcke sind zum Beispiel strikt verboten. Der französische Leichtathletikverband (FFA) schreibt: „ Bergläufe gehören zu den ‚Läufen in freier Natur‘. Es handelt sich um Wettkämpfe im Gebirge mit mindestens 500 Höhenmetern und einem Mindestunterschied von 300 Metern zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt. Den Veranstaltern wird empfohlen, die Strecke auf eine Siegerzeit von 1 Stunde bis 1 Stunde 15 Minuten zu begrenzen und damit dem ‚athletischen‘ Format dieser weltweit ausgetragenen Disziplin zu entsprechen. Außerdem sollten gefährliche Passagen und instabiler Untergrund vermieden werden.

Der kurze Trail

Das Adjektiv „kurz“ ist relativ, besonders seit einigen Jahren. Ursprünglich bezeichnete die FFA als kurzen Trail Wettkämpfe zwischen 21 und 41 km mit mehr als 1.000 Höhenmetern. Seit einiger Zeit geht der Trend jedoch klar zu längeren Distanzen. Das zeigte auch der kurze Trail bei den Weltmeisterschaften 2025, der stolze 44,5 km und 3.660 Höhenmeter umfasste. Trotzdem ist der kurze Trail keineswegs der „Kinderlauf“ einer Veranstaltung, ganz im Gegenteil. Er ist ein anspruchsvolles Format und verlangt alle Qualitäten eines guten Bergläufers und eines starken Läufers, bei einer auf wenige Stunden komprimierten Belastung von 2 bis 5 oder 6 Stunden.

Trail im Wald: gemeinsam unterwegs auf alpinen Wegen.

Der lange Trail

In den Anfängen der Disziplin bezeichnete die FFA einen Trail zwischen 42 und 80 km als lang. Die Bezeichnung umfasst also eine breite Palette an Wettkämpfen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen und Trainingsformen. Zwischen einem Maratrail, also einem Marathon in freier Natur, und einem 80-km-Rennen liegen Welten! Mentale Stärke, körperliche Ausdauer, die Kontrolle von Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sowie ausreichend Zeit fürs Training sind entscheidende Bausteine bei der Vorbereitung auf einen langen Trail.

Der Ultra-Trail

Schon der Name dieses Formats beflügelt die Fantasie. Sofort denkt man an das legendärste Rennen der Szene, den UTMB®, und sieht sich selbst bereits als Held der Trails ... Seit Jahren wachsen die Distanzen in der Trailrunning-Welt immer weiter: Auf immer härteren Strecken soll immer länger gelaufen werden. 80, 100, 150 oder sogar 250 km und 5.000, 8.000, 10.000 oder gar 15.000 Höhenmeter: Für die Ultra-Fans ist nichts zu schwierig. Ultra ist zugleich Mode, langfristiger Trend und eine ganz eigene Einstellung.

Diese Wettkampfform verlangt eine akribische Vorbereitung, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf: ein sehr hohes Trainingsvolumen und mentale Stärke (ein Rennen wird oft im Kopf verloren, wenn die mentale Stärke nachlässt), eine gut eingespielte Strategie für Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sowie die körperliche Fähigkeit, extrem lange Belastungen auszuhalten (oft mehr als 20 Stunden, durchgelaufene Nächte ...).

Der Ultra-Trail, die Königsdisziplin — UTMB Mont-Blanc.

Der Urban Trail

Das ist Trailrunning in der Stadt, manchmal von Puristen kritisiert, die Trailrunning ausschließlich als Sport in freier Natur verstehen. Diese Rennen führen durch grüne Parkanlagen, auf ungewöhnlichen Wegen durch historische Viertel und über technisch anspruchsvolle Treppenpassagen. Gleichzeitig lässt sich das kulturelle Erbe einer Stadt entdecken. Die Strecken sind oft dynamisch und schnell. Gefragt sind deshalb Geschicklichkeit, Tempo und die Fähigkeit zu schnellen Antritten.

Zu dieser großen Familie des Urban Trails lässt sich auch Ecotrail® zählen, eine Bezeichnung für eine Serie von Wettkämpfen in Europa. Das Konzept basiert auf urbanen Strecken, die möglichst viele Wege nutzen und den Teilnehmern damit natürliche Untergründe bieten. Die Distanzen reichen von etwa zehn Kilometern bis zu 80 km.

Skyrunning

Skyrunning wird von der 2008 gegründeten International Skyrunning Federation (ISF) mit Sitz in Italien organisiert, dem Ursprungsland der Disziplin. Offiziell entwickelt wurde das Konzept 1992 von Mario Giacometti. Sein Credo war einfach: „less cloud, more sky“. Die ISF definiert Skyrunning als „einen Berglauf, der bis auf eine Höhe von 2.000 Metern führt oder diese überschreitet, bei dem die durchschnittliche Steigung auf der gesamten Strecke mindestens 6 Prozent beträgt und mindestens 5 Prozent der Gesamtdistanz eine Steigung von 30 Prozent oder mehr aufweisen“. Diese Formate sind alpiner, luftiger und anspruchsvoller Natur und weisen einen hohen technischen Schwierigkeitsgrad auf. Das Verhältnis von Distanz zu Höhenmetern ist in der Regel sehr hoch.

Es gibt eine internationale Rennserie sowie nationale Serien. Die ISF unterscheidet innerhalb des Skyrunnings verschiedene Formate, darunter: Sky (20 bis 49 km und mindestens 1.200 Höhenmeter), SkyUltra (50 bis 99 km und mindestens 3.000 Höhenmeter), Vertical (reine Anstiege mit mindestens 1.000 Höhenmetern und höchstens 5 km Distanz), SkySpeed (mindestens 100 Höhenmeter und mindestens 33 Prozent Steigung). Als SkyMarathon werden Rennen über mindestens 30 km und mit mindestens 2.000 Höhenmetern bezeichnet, deren Sieger weniger als 5 Stunden benötigt. SkyRace ist die allgemeine Bezeichnung für Skyrunning-Wettkämpfe mit mindestens 20 km und 1.200 Höhenmetern.

Der Vertical Kilometer

Auch hier verlassen wir den engen Rahmen des Trailrunnings ein Stück weit, denn der Vertical Kilometer, kurz VK, ist streng genommen kein Trailrennen. Das Konzept ist einfach: Eine möglichst direkte Linie wird den Hang hinauf angelegt, bis 1.000 Höhenmeter erreicht sind. Stöcke sind erlaubt. Meist ist die Steigung so steil, dass kaum oder überhaupt nicht gelaufen wird. Zu den steilsten und schnellsten Rennen gehören die Verticale du Grand Serre im französischen Département Isère mit 1,8 km Streckenlänge und Fully in der Schweiz mit 1,9 km. Man braucht natürlich starke Kletterqualitäten und ein optimales Verhältnis von Gewicht zu Leistung, vor allem aber einen perfekten Stockeinsatz. Skibergsteiger gehören bei diesem Format häufig zu den leistungsstärksten Athleten.

Der Winter-Trail

Winter-Trails sind relativ selten und werden häufig von Skigebieten veranstaltet. Die Läufe auf Schnee ermöglichen es, auch in der kalten Jahreszeit mit der Disziplin verbunden zu bleiben. Die Strecken sind meist recht kurz (10 bis 30 km) und verlaufen überwiegend auf präparierten Wegen. Kälte und Untergrund machen die Bedingungen durchaus anspruchsvoll. Gefragt sind eine hohe muskuläre Leistungsfähigkeit, Kälteresistenz und die Fähigkeit, mit schwierigen Wetterbedingungen umzugehen.

Sand- und Wüsten-Trails

Der bekannteste Sand-Trail ist der Marathon des Sables, der in mehreren Varianten auf verschiedenen Kontinenten ausgetragen wird. Andere Rennen bieten ein ähnliches Maß an Exotik, etwa mit Strecken durch die Atacama-Wüste in Chile oder die Wüste Gobi in China. Diese Wettkämpfe finden in der Wüste, häufig im Sand, statt und bieten ein völlig anderes Lauferlebnis. Meist bestehen sie aus mehreren Etappen. Wer solche exotischen Abenteuer genießen will, braucht zweifellos eine ausgeprägte Abenteuerlust. Oft müssen die Teilnehmer die gesamte Strecke völlig autark bewältigen.

Fazit

Trailrunning ist zu einer regelrechten Galaxie mit einer großen Vielfalt an Formaten geworden. Von den kurzen, schnellen Rennen bis zu den längsten Abenteuern findet jeder einen Wettkampf, der zu seinen Wünschen, seinen körperlichen und mentalen Fähigkeiten sowie zu der Zeit passt, die im Alltag fürs Training zur Verfügung steht.